Tierschutz in Ungarn

Es gibt in Ungarn kein Tierschutzgesetz, wie wir es kennen.Tierquälerei wird meist nur als bloße Ordnungswidrigkeit abgetan -
wie wir ja wissen, ist dies auch mit Gesetz bei uns schwierig,wie schwer ist es dann ohne jedes Gesetz!
Tiere haben in Ungarn einen ganz anderen Stellenwert als bei uns.Dort sind sie bloß "Sachen", die einen Zweck erfüllen müssen,
kein Lebewesen- schon gar nicht mit Herz, Seele und Gefühl.
Zwar ist seit kurzem das erste 'Tierschutzgesetz' des Landes in Kraft. Aber es enthält nur allgemeine unverbindliche Regeln zum Umgang mit Tieren und ist
somit nur eine Leitlinie, die eigentlich freistellt, ob man sich daran hält. Ob es unsere Hoffnungen erfüllen kann, hängt von der Akzeptanz und Durchsetzung in der Bevölkerung ab.

Im Moment haben bei Streunern und Abgabetieren leider immer noch die staatlich bestellten Tierfänger Vorrang vor den Tierheimen. In Ungarn erhält nur der städtisch bestellte Tierfänger Geld für 14 Tage Aufbewahrung der Straßenhunde und Katzen, die Tierheime erhalten kein Geld.

Die "Tötungsstationen" gehören den Städten. In der Regel sind die Zustände dort erschreckend.

In der Tötung Budapest Illatos Ut werden jährlich mehr als 3000 Tiere getötet!

Einige "Tötungsstationen" werden von Firmen geleitet. Diese werden von den einzelnen Gemeinden sehr gut für diese „Aufräumarbeiten“ bezahlt.
Ein Beispiel hierfür ist Gyõr, Székesfehérvár-Alsószentiván( Alpha-Vet Kft , dort werden jährlich ungefähr 1000-1500 Hunde getötet)

Es gibt nicht genügend Tierheime für die riesige Anzahl der heimatlosen Hunde und Katzen.

Die Tierheime geben im Regelfall 100-600 Tieren ein vorrübergehendes zuhause.

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und die Tierärzte setzen sich nicht genug mit dem Thema Tierschutz auseinander.

Es gibt keine Unterstützung des Staats oder der Städte für den Tierschutz.

Die Tierschutzorganisationen haben häufig nicht die Mittel, ein Tierheim zu betreiben.

Die Tötung der Tiere ist die schnellste und billigste Variante!

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der Tierschutz in Ungarn befindet sich im Aufbau, er steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen.

Die ungarischen Tierheime werden von Tierschutzvereinen geleitet, die von Spenden leben.
Es gibt im Moment ca. 100-120 Tierschutzvereine in Ungarn.
Die Haupteinnahmequelle der Vereine ist ein Programm, daß erlaubt 1% der Einkommenssteuer an eine wohltätige Einrichtungen zu spenden.
Leider deckt dies meist nur 5-15 % des Bedarfs der Tierheime. Die 1% der Einkommenssteuer dürfen die Vereine, aber erst nach 3-jährigem Bestehen erhalten.
Seit November 2007 dürfen die Tierheime Spendendosen aufstellen, mit denen sie 1 und 2 Forint-Münzen sammeln dürfen.
Sehr wichtig ist für die Tierheime die Unterstützung der ausländischen Tierschutzvereine.
Tierheime, die von einem Tierschutzverein mit Untertützung der Stadtverwaltung betrieben werden, gibt es ca. 5 oder 6 in ganz Ungarn,
darunter sind Pécs, Szekszárd, Székesfehérvár und Gyõr.
Tierheime, die von Tierschutzvereinen oder Privatpersonen betrieben werden, gibt es ca. 80-90.

In Ungarn gibt es ca 2.000.000 heimatlose Tiere, sie leben teilweise auf der Straße , in Tierheimen, aber zum Teil auch bei Tierfängern – diese werden als „Tötungsstation“ bezeichnet. Wie in einigen anderen Ländern gibt es den Beruf des Tierfängers, der die Aufgabe hat, streunende Hunde und
Katzen einzufangen und unterzubringen. Diese Hunde und Katzen werden nach ungarischen Gesetz 14 Tage lang aufbewahrt und dürfen dann, wenn der Besitzer sie nicht abholt, verwertet werden. Dies bedeutet, daß die Tiere entweder getötet oder verkauft werden.
Es gibt einige Tierschützer in Ungarn, die so viele Hunde und Katzen wie möglich aus den „Tötungsstationen“ retten und vermitteln.
Einige „Tötungsstationen“ arbeiten mit Tierschützern zusammen und geben die Hunde und Katzen nach Ablauf der Frist an die Tierschützer.
Einige „Tötungsstationen“ verlängern die Frist der Hunde und Katzen, solange es aus Platzgründen möglich ist.
Leider ändert dies nichts an den Umständen, daß immer noch Hunde und Katzen getötet werden, um der ständig wachsenden Zahl entgegen zu wirken.

Der einzig mögliche Weg, die große Anzahl heimatloser Tiere langfristig zu verringern, ist die konsequente Kastration der Tiere.

Die Aufgabe von Ungarische Pelzgesichter e.V. besteht darin:

  • den Tierheimen Unterstützung bei der Vermittlung der Pelzgesichter zu geben
  • Verbesserung der Lebensqualität und der Lebensbedingungen der heimatlosen Pelzgesichter
  • Kastrationsprojekte
  • Impfprojekte
  • Rettung von Tieren aus der Tötung
  • Finanzierung von medizinischen Behandlungen (z.B. Operationen)
  • Unterstützung bei der Aufklärung der Bevölkerung

Mit dem reine Export der heimatlosen Pelzgesichter löst man die Probleme in Ungarn nicht.

Mit folgendem müssen sich die ungarischen Tierschützer täglich auseinandersetzen:

Viele Menschen in Ungarn denken leider immer noch, daß sie den Tieren gegenüber keine Verpflichtungen haben,
und die Tiere nur dazu da sind, Haus und Hof zu bewachen.

Einige Menschen adoptieren ein Tier als Welpe, und wenn sie größer sind, bringen sie die Tiere zurück ins Tierheim, weil sie nicht mehr klein und niedlich sind.

Manche versuchen auch ihre eigenen Tiere zu erschlagen oder auf eine andere Art zu töten.

Oder der Hund ist kein guter Wachhund, da wird er einfach auf die Straße gesetzt oder im Tierheim abgegeben.

Manche fühlen sich gelangweilt, das Tier wird lästig oder sie haben kein Geld zum Füttern oder es medizinisch zu behandeln, dann setzen sie sie einfach auf die Straße.

Der ungewollte Katzen- und Hundenachwuchs wird häufig ausgesetzt.

So werden aus Haustieren Straßenhunde.

Die meisten Tiere sind nicht kastriert. Durch die vielen herrenlosen Straßenhunde und Katzen hat dies natürlich Auswirkungen.

Die Tierschützer befreien immer wieder Tiere aus schlechter Haltung.
Diese Tiere mußten oft entsetzliches durchmachen. Lebten in vollkommen vermüllten Häusern, bekamen nicht zu essen und trinken, geschweige denn medizinische Versorgung.
Misshandelte, kranke oder mit Bisswunden übersehene Katzen und Hunde.
Hunde denen die Kette bereits in den Hals eingewachsen ist.

Hunde werden auf dem Land überwiegend draußen und leider noch viel zu oft an Ketten gehalten.
Sie werden von Abfällen ernährt. Häufig haben die Tiere keine Hütte, zum Schutz vor Sonne, Regen und Schnee.

Die Tierschützer fangen immer wieder Tiere ein, die verwahrlost auf der Straße umherirren.
So retten sie sie vor dem Tierfänger.

Es gibt leider auch Fälle wo die Tiere mit einer Leine an einem Baum im Wald angebunden werden, damit sie nicht nach Hause zurückkehren können. Dabei verhungern leider einige, da sie nicht rechtzeitig von tierlieben Menschen gefunden werden.

Zitat von Eva (Mancs Rancs) zum Tierschutz in Ungarn:

Leider muß man zugeben, daß die Lage in Ungarn betreffend des Tierschutzes viel schlimmer ist, als man denkt. Die übergroße Mehrheit der Betreiber der Tötung verfügt über keinerlei Anlagen für die eingefangenen Tiere, zum Schein werden einige Kennel irgendwo (nicht öffentlich zugänglich)
aufgestellt/gemietet. Dort werden Hunderte von Hunden eingesammelt, getötet und alleine der Profit zählt. Das Schicksal dieser Hunde ist unkontrollierbar, vielerorts auf dem Lande, wo die Tierschützer keinen Zugang zur Tötung haben, werden die Hunde nicht einmal 14 Tage lang
gehalten. Viele denken, die Hunde von Illatos út, Budapest, werden unter den schlechtesten Bedingungen gehalten. Man weiß darüber nicht Bescheid (kann nur ahnen), wie es vielerorts auf dem Lande zugeht.

Eine der größten Probleme ist, daß die Gemeinden die Tötung legitimisieren und bevorzugen, etwa nach dem Motto: die Straßen sollen vom "Abfall" befreit werden. Mit einem Tierheim und den Tierschützern werden nur Probleme verbunden: die fehlende Toleranz der Umgebung, die
Immobilienpreise in der Nähe fallen, die Hunde werden vor dem Tierheim vermehrt ausgesetzt.
Was passiert, wenn das Tierheim nicht aufrechterhalten werden kann, usw. - lauter Probleme.
So traurig es klingt, unsere Gesellschaft ist moralisch leider noch nicht gereift, sich diesem Problem zu stellen.
Die Auffassung, DAS LEBEN (DER TIERE) IST WERTVOLL, hat sich bei uns für eine breite Schicht der Bevölkerung noch nicht heimisch gemacht.